Windkraft im Odenwald: Klimaschutz auf dem Papier und im Kopf

Unser „Ökostrom“ spart jährlich 22 000 t CO2 ein …sagt ENTEGA. „Stimmt nicht“….sagen wir…Eine Gegenrechung (Teil1)

22 000 t CO2 werden die 5 Windkraftanlagen der ENTEGA oberhalb des Eiterbachtales im Jahr einsparen – so steht es zumindest auf den Baustellenschildern im Wald. Diesen Zahlen liegt die Annahme zugrunde, dass jede durch WKA erzeugte KWh Strom eine bestimmte Menge an fossil erzeugten Strom ersetz. Je mehr erneuerbarer Strom desto weniger Co2 – so die bestechende Logik der „Öko“Strom-Lobby.  Auf der Website des Bundesverbandes Windenergie arbeitet auf dieser Grundlage ein „CO2 Rechner“ in den man lediglich die erzeugte Menge Windstrom eingeben muss um zu erfahre wieviel CO2 dadurch eingespart wird.

Derartige Modellrechnungen gibt es nun bereits seit vielen Jahren – und ein Blick zurück auf die Klimaschutzwirklichkeit des Stromsektors lohnt sich um den Unterschied zwischen Modellrechnung und Wirklichkeit aufzuzeigen:

Von 2010 bis 2015 stieg der Anteil der Erneuerbaren an der Gesamtstromproduktion in Deutschland von 17% (104 TWh) auf 32% (187 TWh). Gegenüber 2010 wurden also dank massiver EEG Förderung die regenerative Stromproduktion um 83 TWh gesteigert. Wendet man die Rechenlogik der Stillfüsselbetreiber – nach der jede produzierte MWh Strom zu einer Ersparnis von 0,5 t CO2 führt – auf die Vergangenheit an, dann hätte also von 2010 bis 2015 der CO2 Ausstoss entsprechend um 41 Mio t gemindert werden müssen (83 Mio MWh x 0,5 t Co2 /MWh = 41,5 Mio t CO2) . Tatsächlich sank der Co2 Ausstoß im Stromsektor 2015 gegenüber 2010 lediglich um 3 Mio t CO2- also um nur 0,9% (!).

Die Formel: „1 MWh „Ökostrom“ = 0,5t CO2 Minderung“ hält einem Realitätscheck nicht Stand

Einer Steigerung der regenerativen Stromproduktion um 15% stand in der Wirklichkeit eine CO2 Reduktion von gerade mal 1 % gegenüber. Bedenkt man dass dieser „Erfolg“ im Klimaschutz mit der finanziellen Brechstange erkauft wird und Deutschland inzwischen jährlich rund 25 Mrd EUR für eine „Öko“Stromförderung ausgibt (Vergleich: dies entspricht der Höhe der Ausgaben des türkischen Militäretats) die den Klimaschutz nicht voran bringt aber andererseits zu massiven Naturzerstörungen in Wäldern und Feldern führt wird verständlich warum sich nicht nur betroffene Anwohner sondern auch Natur- und Umweltschützer gegen diese „Klimaschutzpolitik“ stellen.

Wer tiefer einsteigen will: Welche Rolle spielen bei diesen Überschlagsrechnungen weitere Einflussfaktoren?

Was ist mit weiteren Einflussfaktoren wie dem Ausstieg aus der Kernenergie, Veränderungen im Stromverbauch oder dem Stromexport?

Hier ist eine genauere Betrachtung der Jahre 2012 bis 2014 interessant, da in diesem Zeitraum kein einziges Atomkraftwerk abgeschaltet wurde und die Atomstromproduktion nahezu konstant war. Der Stromverbrauch der Deutschen sank (!) in diesem Zeitraum um 8 TWh von 540 TWh auf 532 TWh und die regenerative stromproduktion stieg um ganze 18 TWh von  142,5 TWh auf 161 TWh. Keine Substitution von Atomstrom, sinkende Stromnachfrage und starke Zuwächse bei der regenerativen Stromerzeugung: Eine Verminderung des CO2 Ausstosses im Stromsektor ist in einer solchen Situation zwangsläufig gegeben – sollte man meinen. Doch statt einer Minderung des CO2 Ausstosses  stiegen die CO2 Emissionen der Stromerzeugung zeitweise sogar:  Gegenüber dem jeweiligen Vorjahr stiegen sie in 2012 um 11 Mio t CO2; 2013 um weitere 5 Mio t CO2 und sank erst 2014 wieder um 16 Mio t CO2 auf das Ausgangsniveau.

Und warum ist das so? Was genau läuft da schief?

Über die durch das EEG verursachten „perversen Effekte“ die zu einer den Klimaschutz konterkarrierenden Entwicklung führen wurde bereits viel geschrieben – für „Einsteiger“ in die Thematik sei auf den ZEIT Artikel „Schmutziger Irrtum“ oder den WELT Artikel „Kurzschluss bei der Energiewende“ verwiesen.

Quellen: